Voina again!

Die Gruppe Voina (bekannt auch aus diesem Blog) war mal wieder aktiv und wagt eine der radikalsten Aktionen, die ich unter dem Begriff “Kunst” je erlebt habe. Sie haben in St. Petersburg einen Gefangenentransporter angezündet, selbiges dokumentiert und sich dazu bekannt, diesen Knast auf Rädern zerstört zu haben.

“Dear Russians, this action is a modest gift to all of you from the Voina Group. It’s a gift to all political prisoners of Russia: Philip Kostenko, Sergei Udaltsov, Taisia Osipova, Sergei Mokhnatkin, Vladimir Bukovsky and many others. We dedicate this action to the deceased heroic political prisoners Sergei Magnitsky, Anatoly Marchenko, Kronid Lyubarsky, Alexander Ginzburg, Andrei Sinyavsky, Yuri Galanskov, Yuli Daniel. Let’s destroy all prisons! Freedom to all political prisoners! Feds don’t fuck us – we fuck feds! Happy New Year, comrades!”

Natürlich provoziert diese Performance in ihrer Radikalität. Wo heute öffentlicher Geschlechtsverkehr und Ähnliches nur noch das Potential zum Gähnen birgt (wenn darin wenigstens geschlechterpolitische oder sonst eine Kritik außer “mensch darf auf der Straße nicht vögeln” steckte) birgt die öffentliche Zerstörung öffentlichen Eigentums, welches in diesem Fall wie kaum etwas anders Autorität und Repression des Staates repräsentiert, wirklich Sprengstoff. Ich möchte sagen: DAS ist doch mal politische Kunst!
Einzig der Kommentar, mensch ficke die Bullen, gefällt mir da nicht. Niemand sollte sexualisiert angegriffen werden, nicht mal die Polente.

Quelle

(Dieser Blogeintrag spiegelt nur sehr eingeschränkt jungdemokratische Positionen wider. Zwar richtet sich unser Programm gegen das Strafrecht und steht für die Entknastung der Gesellschaft ein. Das Gutfinden der Zerstörung von Sachen und Symbolen findet sich aber höchstens in Einzelmeinungen wieder.)

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Terminänderung? Alles Quatsch

Die groß verkündete Terminänderung des Seminars hat sich heute als Missverständnis herausgestellt. Tatsächlich gibt es Kapunst! wirklich erst am Wochenende vom 14. bis 16. Oktober. Der Ort stimmt immerhin. Tut mir leid.

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Nancy Upton

Folgendes ist schon etwa einen Monat alt, aber wirklich großartig. Eine mögliche Inspiration für das queere Kalenderprojekt, an dem wir arbeiten.

American Apparel schrieb bis Anfang September einen “plus-size model”-Fotowettbewerb aus, bei dem die Wahl der Gewinnerin beim Internetpublikum lag. Mit solchen Crowdsourcing-Voting-Aktionen sind einige Konzerne schon ein paar Mal auf die Schnauze gefallen oder haben zumindest die Communitydynamiken des Internets unterschätzt, sodass sie dann vor einem unerwünschten Ergebnis standen, so etwa die “MeinBurger”-Aktion von McDoof, bei dem sogar noch Stimmenanzahlen verfälscht wurden, um ein genehmes Ergebnis zu erhalten und irgendein Spülidesignflaschenwettbewerb von Henkel, deren Gewinnerdesign dann gar nicht produziert wurde. (Link, weiter unten)

Beworben hat sich auch Nancy Upton, die einige großartige Bilder einschickte und damit gewann. Ihre Bilder gehen provokant auf all das geheuchelte “we wanted to show all the beautiful xl-women in the world”-Gesülze von American Apperel ein. Letztendlich wurde durch die Kriterien dazu aufgerufen, zwar ein wenig lockerer mit Körperfülle umzugehen (aber nur ein bißchen, über xl ging’s schließlich nicht), letztendlich aber doch diesen ganzen allgemeinen Schönheits- und Modelquatsch zu reproduzieren.

Die Bilder sind wirklich toll geworden. Kritisch, provokant und darüber hinaus erotisch. Yeah!

[Hier sind leider die Onlinebildquellen abhanden gekommen. Ihr findet sie aber noch über Bildsuchen.]

Quelle

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Kapunst-Seminar

Vom 14.-16. Oktober findet in der Bannmühle in Odernheim in Rheinland Pfalz, welches schrecklich weit weg von allem anderen zu sein scheint, das diesjährige Seminar des Baz Dada (hier nochmal der Ankündigungstext) statt. Nichts desdo trotz lohnt sich die Anfahrt. Nicht nur, dass die Fahrtkosten zur Hälfte erstattet werden, dass mensch also mit einer Bahncard 50 für lau reist; das gerade entstehende Programm scheint auch ziemliche Sahne der ersten Klasse zu werden. Sojasprühsahne sozusagen.
Der Fokus liegt auf Kulturindustrie und Kunstmarkt. Wir versuchen, das Programm nicht allzu voll werden zu lassen, damit auch noch Zeit für Kreativität und soziale Interaktion bleibt.

Beachtet bitte, dass der Termin um drei Wochen nach vorn gelegt wurde!

Anmelden könnt ihr euch unter info@jdjl.org. Die Teilnahme kostet 16 Euro für’s gesamte Wochenende mit allem, also Bett und Fressalien, inklusive.

Wir freuen uns auf euch!

(Nachfragen gern in die Kommentare.)

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Madrid Street Advertising Takeover

Am 30. März wurden in Madrid insgesamt 106 Werbeplakate aus City Lights durch schlicht designte Aussageposter ersetzt. Diese wurden vorher von genau so vielen Menschen, Künster_innen und andere Statementfreudige, gestaltet. Mit Klick auf die Namen gelangt ihr zu den Fotos der Plakate. Die Gallerie schafft einen schönen Überblick.

Insgesamt war diese Aktion schon die zweite ihrer Art, weitere werden sicherlich folgen. Mal nehmen die Plakate Bezug auf den Stellenwert der Kunst in der Gesellschaft, mal greifen sie direkt Kommerzkultur an.
Adbusting hat als Kunst- und Protestform ein ziemlich großes Potential, weil die Strahlkraft eine große zu sein scheint. Die Aktion wird von vielen Menschen wahrgenommen, zusätzlich ist der Bereich der Werbung oft ein unreflektierter, mit dessen Störung mensch das Alltagsgrau und die eingebildete Realität vieler gut aufbrechen kann. So ist jedenfalls meine Einschätzung.

Klickt euch mal durch!





Gefunden beim rebel:art blog.

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Ztohoven und Občan K.

Ztohoven ist eine tschechische Künstler_innengruppe, die schon seit 2003 Politik und Kunst in subversiver Weise miteinander verbinden. Ihre neueste Aktion war das Beantragen von Personalausweisen, bei denen sie biometrische Fotos einfügen ließen, die sie vorher aus den Gesichtern je zweier Mitglieder gemorpht haben. So können beide den Ausweis benutzen und mit einer neuen Identität spielen. Sie nutzten die Ausweise in den folgenden zwei Jahren beispielsweise für Flugreisen, Wahlen, sogar für eine Hochzeit. Und umgingen damit teilweise die staatliche Überwachung. Občan K. – zu Deutsch Bürger K. – bezieht sich auf Franz Kafka und seinen Roman “Der Process”.

Vorher sind sie vor allem durch Adbustingaktionen bekannt geworden, zum Beispiel durch eine Guerillaausstellung in einem Prager U-Bahnhof, in dem sie die Werbung einfach durch eigene Werke erstetzten.


Interview mit Ztohoven, vor allem über Občan K.
(englisch)

Tracks – das Magazin für Popkultur auf Arte, hat Ztohoven einen Beitrag gewidmet. Hier wird sowohl über Občan K. berichtet, als auch die Geschichte der Gruppe beleuchtet. Der Beitrag beginnt bei 19:20.


Gefunden bei fefe.

Update: Links zur Beschreibung der Adbusting-Aktion in der Prager U-Bahn und dem republikweiten Fernsehhack “Media Reality”.

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Cyberfeminismus und Cyborgs

Im Rahmen der Ringvorlesung “eGender” 2007 an der Uni Wien gab es eine Veranstaltung zum Thema Cyberfeminismus. Ich habe vorher noch nie von dieser Strömung der 80er Jahre gehört, die sich gleichzeitig neben anderen feministischen Strömungen, aber auch anderen künstlerischen Strömungen im Science-Fiction-Kontext dieser Zeit, etwas dem Cyberpunk, entwickelt hat. Den Vortrag von Karin Harrasser kann mensch sich hier anschauen.
Das “Manifest für Cyborgs” von Donna Haraway ist das im Vortrag erwähnte Manifest der feministischen Cyborgbewegung.

Cyberfeminismus verspricht eine interessante Schmelzform politischer und künstlerischer Einflüsse zu sein und darüber hinaus einer ganz bestimmten Kultur, nämlich der Hackerkultur der 80er Jahre, zu sein. Daher mein Vorschlag, sich in irgendeiner Weise im Baz Dada, vielleicht in Kooperation mit dem Baz Geschlechterverhältnisse, damit zu beschäftigen.

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Die Gruppe Voina

In Russland gibt es eine anarchistische Aktionsgruppe, die sich mächtig mit ihren Kunstwerken ins Zeug legt. Manch einer_m wird das sicherlich etwas obszön vorkommen, aber der Kontext ist stets grandios, im schlimmsten Fall sind die Aktionen absurd.


Hier der Link
zu zwei Aktionen, einer riesigen Erektion, die die Gruppe in St. Petersburg sichtbar gemacht hat und ihre Antwort auf eine Fruchtbarkeitskampagne von höchster Stelle.

(Das Making-Off der Brückenaktion)

Zu guter Letzt ein paar Bilder von der Aktion zum Titelbild, eine Projektion auf das Moskauer Regierungsgebäude.

Da die Aktion alle einen klaren politischen Kontext haben, ohne dass mensch um fünf Ecken denken oder mit der Nase darauf gestoßen werden müsste, halte ich die Aktionen für grandios. Es gehört sicherlich eine ganze Menge Mut dazu, sendet aber die Message sehr konkret und auch recht weit.

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Codes of Gender

Ich präsentiere hier ein sehr schönes Fundstück, das ich bei der Mädchenmannschaft gefunden habe. Es geht um Doing Gender in der Werbefotorafie, die viel genderbehafteter ist, als mensch es eh schon weiß. Wie durch Haltung, Posen und Gesten Geschlecht (re-)produziert wird, ist unheimlich interessant.

Codes of Gender

Ich versuch in den nächsten Tagen, das hier ordentlich einzubetten.

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Jonathan Meese

Um mal einen Anfang zu machen, möchte ich Jonathan Meese vorstellen, einen ziemlich absurden Künstler mit echt kruden Thesen zu Kunst und Gesellschaft. Da er selbige ziemlich random äußert, widersprechen sie sich teilweise stark gegenseitig. Zentral ist seine Forderung nach einer radikalen Revolution an deren Ende das totale Diktat der Kunst steht. Ich lass das mal so stehen. Dazwischen befinden sich aber unheimlich interessante Ansichten.
Vor kurzem hat die Taz einen Artikel über einen Vortrag von ihm veröffentlicht, der sich ganz gut als Einstieg in seine Positionen eignet.

Weiteren Einblick gewähren folgende Videos:

ff.

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